Wie alles begann: Wir schreiben Februar 2020, der Veranstaltungskalender für das Jahr ist prall gefüllt. Wir kommen gerade aus Essen, wo wir eine Veranstaltung mit 3.500 Leuten lichttechnisch betreut haben und es trudeln die ersten Anfragen für unsere neue Ground Support Bühne ein. Euphorie pur. Wir haben gerade groß investiert und das feste Vorhaben zum Sommer einen Mitarbeiter in Vollzeit anzustellen. Die Auftragslage gibt es her.

Dass da in China ein Virus umgeht haben wir natürlich mitbekommen. Aber das kommt doch nicht zu uns.

Oder?

Anfang März war es dann soweit. So nach und nach schlossen die Veranstaltungsbetriebe. Wir telefonieren mit einem Kunden zu einem Großauftrag. „Jaja. Das Festival am 1.Mai findet auf jeden Fall statt. Wir schließen nicht.“. Ein paar Tage später war es dann soweit. Der 14.3.2020. Nichts geht mehr. Alles hat zu. Lockdown!

Puh! Na gut. Das muss erstmal sacken. Wir haben noch etwas finanzielle Rücklagen. Im Sommer ist das bestimmt weg. Das werden wir schon überstehen.

Inzwischen ist Ostern und es ist klar: Das Coronavirus bleibt uns noch etwas erhalten. In der Zwischenzeit erreichen uns immer mehr Anfragen von Bekannten: Sag mal: Hast du Erfahrung mit Streaming?

Um ehrlich zu sein: Ne haben wir nicht. Aber wir haben Ahnung von Ton-, Licht- und Medientechnik. Das alles nur noch gescheit in den „Computer zu quetschen“ kann ja nicht so schwer sein. Was mit dem Gedanken losgetreten wurde war uns zu diesem Moment noch nicht klar. Die Idee eines Streamingstudios für den Celler Raum war geboren. Wir schrieben eine Pressemitteilung, sprachen mit Partnern und Sponsoren, Künstlern und schauten uns an, wie die Resonanz auf das Projekt ist.

Die Resonanz war da und positiv! Viele Unterstützter stellten sich schnell hinter das Projekt, was nun einen Namen hat. „Kanal 29“, der Kulturstreamingdienst für Stadt und Landkreis Celle. (Postleitzahlgebiet 29).

So bauten wir Mitte April ein Studio in die Halle 13 der CD Kaserne. Technische Details und Bilder hierzu folgen wie gewohnt. Dieses mal nur nachstehend. Das Studio sollte für alle Fälle ausgelegt sein. Talk-, Band-, DJ- oder Sportformate. Nichts sollte zu kurz kommen. Die Idee: Ein möglichst breites Kulturstreaming anzubieten, damit jeder sich in dem Projekt widerspiegeln kann. Das Studio soll allen Künstler*innen kostenlos zur Verfügung gestellt werden. Darüber hinaus haben die Zuschauer die Möglichkeit diese durch eine Spende zu unterstützen. So wurde es in Celle möglich, dass trotz Corona und Lockdown Kultur wieder stattfinden konnte. Sowohl die Ausübung als auch der Konsum von Musik und anderen Formaten von Cellern für Cellern. Aber wenn das gesamte Geld aus den Spenden an die Künstler geht, wie rechnet sich das? Ganz eindeutig durch unsere tatkräftigen Sponsoren. Egal ob Sach- oder Geldzuwendungen. Wir hatten zahlreiche Unterstützer und sind dafür sehr dankbar!

Aber wie soll das alles ablaufen? Wir erschufen Formate, wie „Clubkultur“ für DJ Musik, „Stadtgeschichten“ für ein Talk Format rund um die Celler Historie, „Handgemacht“ für echte handgemachte Musik von Celler Bands und Solokünstlern oder den „Sportmittwoch“ mit Workouts oder Tanzstunden zum nachmachen für Zuhause. Am 25.4. war es dann so weit und wir gingen bis zu fünf mal in der Woche live aus unserem Studio auf die Apparate daheim. Später sendeten wir live aus dem Schlosstheater Celle oder aus der Rathsmühle. Ein wahnsinniger technischer Aufwand! Auch das Autokino betreuten wir anteilig technisch (hierzu gibt es einen separaten Artikel) und füllten an mehren Abenden mit unserem Content die Kinoleinwand.

Wir halten fest: Kanal29 war unser erstes großes Corona Projekt, was mit vollem Erfolg und weit mehr als 1000 Arbeitsstunden, sowie viel Herzblut durchgeführt wurde. Nach gut zwei Monaten verabschiedeten wir uns in die Sommerpause und möchten den ersten Teil dieses Beitrages mit einem Facebook Post der Kanal 29 Seite beenden. Gleich seht ihr wie gewohnt noch einige Bilder aus der Projektzeit. Anschließend folgen noch ein paar technische Details zu dem Projekt.

Kanal 29 Facebook Seite:

„Das soll es gewesen sein?! WOW. Wir haben jetzt erstmal zwei Wochen gebraucht um DAS sacken zu lassen, was passiert ist. „Kurz“ in Zahlen zusammen gefasst:

Das erste mal live waren wir am 25.04.2020, das letzte mal am 27.06.2020. 64 Tage gab es somit das Kanal29 Studio, aus dem wir an 39! Tagen gesendet haben. Dabei sind 124 einzelne Videos entstanden, die ihr alle in unserer Mediathek ansehen könnt.

Das entspricht 7370 Minuten (122,8 Stunden) kulturelles Programm aus Celle für Celle! Live angesehen haben sich das unglaubliche 46.171 Zuschauer und schon jetzt weitere 18.432 auf YouTube. Dies entspricht einer insgesamten „Watch-Time“ von 390.191 Minuten oder 6503 Stunden. Dabei habt ihr Zuhause 6281 mal die Entertaste des Chats betätigt. Jetzt bleibt es uns DANKE zu sagen. Danke an unsere über 150 Gäste in unserem Studio, die uns mit Inhalten versorgt haben. Danke an euch, die diese Inhalte auch sehen wollten. Danke an unsere Unterstützer und Möglichmacher (s.u.) Danke an die Crew, die wahnsinnig viele Arbeitsstunden freiwillig in dieses Projekt gesteckt haben! Und danke für den tollen Abschluss letztes Wochenende 🙂Danke, Danke, Danke!!! Ihr glaubt das war es? Wir glauben nicht 😉Bleibt gespannt. Wir haben da noch ein paar Anfragen abzuarbeiten.

Unsere Möglichmacher: Sparkasse Celle-Gifhorn-WolfsburgSVO – Rundum bestens versorgtVGH Vertretung Sven TrederMM VeranstaltungstechnikCD-Kaserne – Das Kulturzentrum in CelleCeller Rockmusik-Initiative e.V. (CRI)Schlosstheater CelleStadtwerke Celle GmbHStadt Cellefehlhaber.medienCELLEHEUTE.DECellesche ZeitungCellshock EventsIndieHeroes und viele mehr! (Celler Bier zum Beispiel. Kauft es, denn es ist sehr gut!)“

Neben Kanal 29 unterstützen wir übrigens weitere Streaming Formate wie „Faust TV“, (alle Folgen bis August mit einem Analogway Pulse 350 3G), sowie den zweiten Streamingsender in Celle „Music at Home“ mit Briteq 150 EZ LED Stufenlinsenschweinwerfern.

Und nun: Bilder 😉

Wie versprochen hier noch einige technischen Details. Beginnen wir mit

Das Studio – Bühnentechnik

Das Studiodesign war uns wichtig eine „Blackbox“ zu bauen. Sprich ein schwarzer Raum, in dem alles möglich ist. Dennoch sollte diese Blackbox aufgeteilt werden in verschiedene Bereiche für Bands, DJ`s und Talk. Um einen gewissen Industriecharme zu erzeugen haben wir bewusst alle verbauten Traversen der Blackbox sichtbar gelassen und später sogar angeleuchtet. Es wurde ein Karree exakt der Deckenhöhe angepasst gebaut und dieses mit schwarzen Molton abgehangen. Um lichttechnisch weitere Möglichkeiten zu haben wurde auf 1,20m eine Brüstung aus Traversen verbaut. Für die Band wurden 9qm Szenenflache Bühnenpodeste auf 40er Höhe verbaut. Je nach Aufbau kamen gegenüberliegend weitere 4qm hinzu. Der DJ Riser Bestand simpel aus einem 2x1m Podest auf 100er Höhe.

Bei unserem Besuch im Schlosstheater Celle benutzten wir die Maschinenzüge für unser kleines Lichtdesign. Hier verwendeten wir eine 135 Grad Ecke, sowie zwei 300cm KV4 Traversenstücke.

In der Rathsmühle wurde ein kleines Traversentor mit 250cm Höhe und 400cm Breite gebaut. Dieses stand auf 80er Bodenplatten, welche zusätzlich mit Ballast gesichert wurde. Als „Tower“ für die Z19 Movinglights dienten: Celler Bierkisten. (Trinkt es. Es schmeckt sehr gut 😉 )

Lichttechnik

Wie eingehend erwähnt wurden alle Traversen angestrahlt. „Traversenfeuer“. Hierfür wurden 12 Cameo Flat 7 verwendet. Als weitere Showelemente dienten acht Ehrgeiz Fusion FS60, welche symmetrisch vertikal an der oberen Traverse angeschlagen wurden. Auf der Brüstung sorgten acht Z19 MK2 Wash Moving Lights für ein starkes Gegenlicht. Hiermit konnten gezielt bewegte Effekte erzeugt werden. Ebenfalls als Showelement wurden zwei 4-lite Blinder als Gegenlicht verwendet. Zur räumlichen Flächenausleuchtung des Studios wurden Briteq Theatre 100 und 150 EZ verwendet. Um einzelne Elemente hervorzuheben wurden Source Four Profiler von ETC verwendet, welche mit LEE 202 (Half CTB, Kaltweiß) gefiltert waren. Auch der Kamit war ein wichtiges Showelement und wurde separat angesteuert. Je nach Aufbau und Stream wurde dieses Grundsetup immer wieder ergänz und verändert. Die gesamte Lichttechnik wurde gesteuert mit einen MA Lighting Command Wing, erweitert mit einem Botex 2412 als Faderwing. Durch die volle Ausnutzung aller Möglichkeiten, liefen alle Kanäle im „Full Channel Mode“. Sodass schlussendlich vier DMX Universen über den Elation 8 Node (Artnet Umsetzer) angefahren wurden.

Tontechnik

Das Audiotechnische Setup verhielt sich sehr simpel. Für Bands und DJ’s standen fünf ZLX15 aktive Electro Voice Monitore zur Verfügung. Ebenso ein weiterer als Monitor für den FOH Sound. Fest verbaut waren in der Regel ein Drumset, sowie Gitarren Amps. Die Amps wurden mit Sennheiser E906 abgenommen. Das Drumset wurde mit einer Shure Beta 91, einem Sennheiser E902 (Base Drum), drei Sennheiser 904 (Toms), einem weiteren E906 (Snare), sowie zwei Beyerdynamic 201 (Overheads) abgenommen. Diese Mikrofone waren fest verbaut. Die Leitungen für die DJ’s, sowie für die Monitore wurden nur einmalig eingerichtet und gingen mit Subcores auf die Behringer S32. Der Streaming Sound wurde mit einem X32 erstellt und ging über eine externe Soundkarte in den Streamingrechner. Für die Talkformate standen drei EW500 Funkstrecken (Taschensender) mit DPA fine Headsets zur Verfügung. Für spontane Wechsel waren immer zwei EW100 Handsender bereitgelegt.

Medientechnik

Das Herzstück des Streams stellte der Videomischer Roland V60 dar. Er kann sechs Videosignale scalen und verarbeiten. Als Vorschaumonitor mit Multiview diente ein 55″ Samsung Fernseher. Ein weiterer wurde als digitale Anzeige in der Talkecke fest verbaut. Als Kameras standen uns zwei Panasonic AG-AC-90, zwei Panasonic HC-V 180 EG-K, eine GoPro Hero 3, eine Sony PXW-Z150, eine Sony xDCam200 und eine Sony Alpha7 zur Verfügung. Sie wurden immer unterschiedlich je nach Einsatzgebiet eingesetzt. Über einen Marshall VAC-12HU3 Web Streamer (Capture Card) wurde das Signal in den Streaming Rechner eingespeist. Dort wurde es mit dem Broadcasting Programm xSplitt (Premium Version) weiterverarbeitet (Spendenlinks, Einbettung aller Social Media Kommentare, Bauchbinden etc.). Von dort aus wurde das Signal an Restream weitergesendet (ebenfalls Premium Version), welches es wiederum an die Kanäle Facebook, YouTube und Twitch verteilte. Für die Einspielung von Openern und Trailern wurde ein weiterer Rechner verwendet. Somit blieben fünf weitere Signale für Kameras aus dem Studio zur Verfügung. Besonders anspruchsvoll waren Liveübertragungen aus dem Autokino in Celle. Hierfür wurden neben extra aufgebauten Kamera- und Verfolgerpodesten unsere 100m SDI Kabeltrommeln verwendet. Signalwandler zwischen HDMI und SDI waren stets von Blackmagic.

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